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Typ 95 Ha-Go

Aktualisiert: 17. Nov. 2023

von IBG-Models im Maßstab 1/72


von Stefan Szymanski / Mai 2023





Zur Geschichte: bei den Ha-Go handelt es sich um einen leichten japanischen Panzer, der von 1935 bis zum Kriegsende 1945 bei den japanischen Streitkräften im Einsatz war.

Die Feuertaufe erhielt der 7,4t leichte Panzer 1937 in China. Sinn dabei war, die doch eher dünne Panzerung (12mm allein nur im Frontbereich) durch die damals überdurchschnittlich hohe Geschwindigkeit von 45 Km/h wett zu machen. Dabei konnte sich der Ha-Go zwar sehr gut gegen die eher mäßig ausgerüsteten chinesischen Truppe behaupten, doch stieß man schon beim Japanisch-Sowjetischen Grenzkonflikt 1939 gegen BT-5 und BT-7-Panzer an seine Grenzen. Trotzdem wurde dieser Panzer mit Beginn des Pazifikkrieges gegen britische und amerikanische Truppen eingesetzt, wobei sich dieser wieder durch seine Robustheit und leichten Gewicht im Dschungelkampf bewährte. So konnte der Ha-Go immer wieder schnell an Stellen vorstoßen, wo es der Gegner nicht erwartete. Auf den Philippinen kam es dann auch zu den ersten Gefechten mit amerikanischen M3 Stuarts, wobei die technische Unterlegenheit mit der zu diesem Zeitpunkt noch besseren Ausbildung der Panzerbesatzungen ausgeglichen werden konnte.

Der Typ 95 Ha-Go kam quasi während des ganzen Pazifikkrieges (auch in verschiedenen Varianten) zum Einsatz, von Guadalcanal bis Okinawa, doch zeigte sich dabei immer deutlich, dass dieser Panzer ziemlich veraltet und nicht mehr zeitgemäß war und moderneren M4 Shermans quasi nichts entgegen zu setzen hatte. Dazu wirkte sich auch negativ aus, dass man bei den blutigen Verteidigungskämpfen die eigentlichen offensiven Vorteile des Panzers bei der Schnelligkeit nicht mehr ausspielen konnte. So spielte dieser Panzertyp in der Nachkriegszeit auch keinerlei Rolle. Lediglich die thailändische Armee behielt den Ha-Go noch einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg im Dienst, bevor dieser durch modernere Typen ersetzt wurde.




Der Bausatz: da es sich beim Typ 95 um einen kleinen, leichten Panzer handelt, kann man nicht mit einer Fülle an Bauteilen rechnen. So teilen sich die Bauteile auch nur auf sechs kleine Spritzlinge auf. Das macht der feinen Detaillierung aber keinen Abbruch. Die Nietenstrukturen sind fein und knackig wiedergegeben. Besonders ins Auge fallen hier die durchgehenden Laufketten, die schon einen realistischen Durchhang darstellen. Ergänzt werden die Spritzlinge durch einen kleinen Ätzteilbogen, der zur Darstellung der Schutzabdeckungen der Auspuffanlage dienen soll.

Mit dem beiliegenden Decalbogen hat man die Auswahl an vier farbenfrohen Varianten des Ha-Go, die sich alle auf den pazifischen Kriegsschauplatz von 1942-44 beziehen.

Der Kit verspricht also schon auf den ersten Blick einen schönen, überschaubaren und unkomplizierten Bastelspaß, der sich für den Einsteiger ebenso eignet, wie für den Fortgeschrittenen.




Zurüstteile: ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass sich aus dem Typ 95 schon „nackt aus der Box“ gebaut ein hervorragendes Modell gestalten lässt. So kann man diverse Zusatzdetaillierungen durch Zurüstteile eher als ein „luxuriöses“ Aufwerten sehen.

So griff ich auf zwei Detaillierungssets des polnischen Herstellers Master-Model zurück, die sich zum einen auf eine noch besser detaillierte Laufkette, sowie des 37mm-Geschützes beziehen. Das Geschütz zeichnet sich dabei durch ein gedrehtes Messingrohr, sowie einen ausführlich detaillierten Ladeblock, inklusive Zieloptik aus. Während sich ein feines Messingrohr bei einem Panzermodell immer gut macht, findet man den fein detaillierten Ladeblock logischerweise im Turminneren wieder. So ist es hier schon davon abhängig, ob man die Panzerluken geöffnet darstellt oder eine passende Kommandanten-Figur verwendet, um diese Feinheiten später am fertigen Modell überhaupt erblicken zu können.





Der Zusammenbau: wie schon der erste Blick erwarten ließ, gestaltetet sich der Zusammenbau schnell, einfach und unkompliziert. Lediglich beim Übergang von Bauteil A2 (Oberwanne) zu A4 kam ein wenig Spachtelmasse zum Einsatz.

Die Laufketten von Master-Model ließen sich ohne Probleme verwenden. Dabei wurde hier schon das Antriebsrad in der Kette montiert.

Für die Montage des 37mm-Geschützes von Master-Model musste die Aufnahme im Panzerturm (Bauteil C12) mit Feile etwas erweitert werden, um so ausreichende Platz zu schaffen.

Mit Hilfe passenden Rundstäbe wurden die Schutzgitter (Ätzteile) in Form gebracht. Dabei stellte sich heraus, dass das Material doch sehr hart ist. Hier würde es sich eventuell empfehlen, den besagten Ätzteilbogen mit Hilfe eines Bunsenbrenners oder Kerze auszuglühen (also stark erhitzen und im Wasser „abschrecken“).

Wie schon bei vorherigen Arbeiten, teilte ich den Kit in Baugruppen auf, um damit die folgenden Lackierungs- und Alterungsarbeiten zu vereinfachen. Dies spiegelte sich im Panzerrumpf mit montierten Laufrädern und Umlenkrollen, sowie separat im Panzerturm und den Laufketten inklusive Antriebsräder wieder.





Die Farbgebung: wie schon weiter oben erwähnt, bietet IBG hier vier interessante Versionen des Typ 95 an. Ich entschied mich dabei für die farbenfrohste Version, die sich auf den Einsatz in den Philippinen/ Luzon 1941 bezieht, einer Zeit also, als der Ha-Go noch seine offensiven Stärken ausspielen konnte. Die Farbversion versprach hier aber auch die anspruchsvollste Variante in Sachen Lackierung, gerade im kleinen Maßstab.

Bei den Farben griff ich auf einen Set von Ammo/MIG zurück, der sich auf die Farbgebung japanischer Panzerfahrzeuge im Zweiten Weltkrieg bezieht und genau auch die Farben beinhaltet, die ich für meine Ha-Go-Version benötigte (A.MIG-7137).

Den Anfang sollte hier die hellste Farbe in Form eines „Yellow“ machen (A.MIG-048). Dabei war es im Vorfeld wichtig, eine helle Basis für das Gelb zu schaffen. Dementsprechend erhielt das ganze Modell eine hellgraue Grundierung. Anschließend folgte das „Yellow“, welches ich in dünnen Schichten auftrug, bis ich mit der Deckkraft zufrieden war. Da von diesem „Yellow“ im fertigen Zustand nur noch kleine Streifen übrig bleiben würde, musste hier nun vor der nächsten Farbgebung maskiert werden. Dabei griff auf einen Maskier-Stift von Molotow zurück, mit dem sich hervorragend der betreffende Bereich abdecken ließ. Molotow bietet bei diesen Stiften verschiedene Größen an, wobei ich auf die kleinstmögliche Größe zurückgriff, mit dem sich ca. 2mm breite Stellen maskieren lassen. Nach der Maskierung wurde nun das ganze Modell in „Blue Green“ (A.MIG-069) lackiert. Nun hatte ich die Wahl, mich entweder mit dem Maskierstift oder auch Maskier-Knete weiter vorzuarbeiten oder die letzten beiden Farbtöne in Form von „Medium Brown“ (A.MIG-070) und „Khaki“ (A.MIG-071) per Pinsel und Freihand aufzutragen. Ich entschied mich für die bequemere Variante per Pinsel und hatte auf Grund der geringen Größe des Modells hier auch keinerlei Probleme.

Nach der eigentlichen Farbgebung folgten nun noch die Kleinarbeiten, die ebenfalls mit dem Pinsel durchgeführt wurden. Nun war es Zeit in Form von Glanzlack (Acryl) eine gute Oberfläche für Decals und anschließender Alterung zu schaffen. Nach Aufbringung der Decals wurden diese nochmals mit Glanzlack versiegelt, um diese vor Beschädigungen bei den folgenden Alterungsarbeiten zu schützen.






Die Alterung: bei Alterungsarbeiten kommen bei mir hauptsächlich Ölfarben zum Einsatz. Den Anfang machten hier Rosttöne, die ich dezent an den Stellen anbrachte, die beim Original besonderer Beanspruchung ausgesetzt waren, wie diverse Kanten, Scharniere, Luken etc. Dabei ist es durchaus denkbar, dass durch die hohe Luftfeuchtigkeit auf den Philippinen diese Stellen auch schnell Korrosion ansetzten.

Als nächstes folgten diverse Grün- und Grautöne, um die typischen Schlieren darzustellen, die ein Modell immer realistischer erscheinen lassen. Durch das langsame Abtrocknen der Ölfarben ist es dabei möglich, die gesetzten Punkte mit einem Pinsel und ein wenig Terpentin vertikal abzureiben. Diese Arbeit kann man so lange fortsetzen, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Als nächsten Schritt stand nun ein punktuelles Washing auf den Plan. Auch hier wurde mit Pinsel und Terpentin so weit korrigiert und verfeinert, bis das Gesamtergebnis stimmig war. Um das vorherige Washing noch besser zu betonen, folgte ein dezentes Drybrushing mit einem warmen Sandton.

Die Harmonisierung alle Farb- und Alterungsarbeiten war nun Aufgabe von diversen Filtern. Den Anfang machte dabei ein mittelbrauner Filter am gesamten Modell. Mit einem „Sun Bleacher“-Filter von Ammo/ MIG wurden anschließend noch alle Flächen bearbeitet, die auch beim Original besonders viel Sonnenausstrahlung ausgesetzt waren.

Den Abschluss bildete nun noch eine Komplettversiegelung des Modells mit ultra-matten Klarlack.

Jetzt erst war es Zeit für Pigmente. Dabei setzte ich die gleichen Pigmente ein, die auch später auf dem Diorama zum Einsatz kommen sollten. Besonders Augenmerk galt dabei dem unteren Fahrwerksbereich, sowie den Laufketten. Mit dunklen Pigmenten wurden noch die Russrückstände am Auspuff gestaltet und damit waren die Arbeiten am Modell auch abgeschlossen.





Das Diorama: natürlich stand schon vorab fest, dass hier nur eine kleine Dschungelszene in Betracht kam. Schon das Deckbild auf dem Verpackungskarton des Modells ist hier inspirierend. So versuchte ich mich auch an diesen Deckbild zu orientieren. Den Anfang machten natürlich wieder passend zurecht gesägten Holzleisten und eine Pressspanplatte, die ich nach Verklebung und Verschleifung schwarz lackierte und anschließend abklebte, um diese vor weiteren Verschmutzungen zu schützen.

Es folgte die Bodengestaltung mit feinen Vogelsand und Heilerde, wobei ich diese beiden Materialien mit einem Holzleim-/ Wassergemisch fixierte. Anschließend erhielt die ganze Bodenstruktur eine Basisbemalung in einem beliebigen Erdton. Die eigentliche Farbgebung erfolgte aber ausschließlich mit Pigmenten. Meine Wahl fiel dabei auf ein helleres „Vietnam Earth“, welches ich mit Pinsel und Pigment-Fixer aufbrachte und an erhabenen Stellen noch weiter aufhellte.

Mit einem Beflocker wurde nun das Statikgras gesetzt. Dabei arbeitete ich mit unterschiedlichen Längen (2-4mm) und berücksichtigte dabei auch schon die spätere Position des Panzers, wobei ich die Fahrspuren mit dunkleren Pigmenten weiter bearbeitete, um damit frisch aufgeworfene Erde zu imitieren. Natürlich wirkt unbehandeltes Statikgras immer ein wenig künstlich, so dass hier nun weiter Farbanpassungen folgten. Den Anfang machte dabei ein Grün, welches ich per Airbrush aufbrachte. Anschließend wurden die Spitzen der Gräser mit verschiedenen Braun-, Gelb- und Grüntönen und Pinsel bearbeitet. Auch dabei griff ich wieder ausschließlich auf Ölfarben zurück. Als nächstes setze ich nun ein dichtes Buschwerk. Dabei begann ich an bestimmten Punkten, die außerhalb der späteren Positionierung des Panzers und Figuren standen und arbeitete dann das Buschwerk so weit aus, bis ich mit den Proportionen zufrieden war. Um das Buschwerk weiter zu stabilisieren und einen späteren Blätterschwund zu vermeiden, fixierte ich das Buschwerk mit matten Klarlack aus der Dose, wobei ich vorsichtig mit einem feinen Sprühnebel arbeitete.

Bis dato machte die gesetzte Vegetation zwar schon einen guten Eindruck, doch fehlte natürlich die typische Charakteristik eines fernöstlichen Dschungels. Hier griff ich auf eine breite Angebotspalette von Ammo/ MIG zurück, die sich auf verschiedene Dschungelpflanzen bezieht. Diese auf grünen Papier gelaserten Pflanzen sind eigentlich für Maßstäbe ab 1/48 gedacht, lassen sich aber erfahrungsgemäß auch im kleinen Maßstab hervorragend verwenden. So erhielten diese Pflanzen noch auf dem Bogen eine passende Bemalung, bevor diese ihre vorgesehene Stelle auf dem Diorama fanden. Als alle Pflanzen „gesetzt“ waren, wirkte mir es immer noch zu künstlich. Also bearbeitete ich die Pflanzen noch mit diversen beigen Filtern, um das zum Teil zu kräftige Grün ein wenig abzumildern. Zu guter Letzt erfolgte eine leichte Übernebelung des ganzen Dioramas mit einem Tamiya „Buff“, damit nichts zu künstlich aufgesetzt wirkt.

Nach Entfernung des Abklebebands am Rahmen und der Anbringung eines passenden Sockelschildes waren nun auch die Arbeiten am Diorama abgeschlossen.







Die Figuren: bei den Figuren wurde ich bei Paracel Miniatures fündig. So hat sich dieser Kleinserienhersteller aus Vietnam besonders auf Figuren in verschiedenen Maßstäben fokussiert, die man in Sachen Proportionen und Detaillierung durchaus als überdurchschnittlich bezeichnen kann. Zwar liegt der Hauptfokus des Herstellers auf dem Vietnamkrieg, doch sind dieser Werkzeugschmiede jüngst auch einige japanische Soldaten des Zweiten Weltkriegs entsprungen, die sich gerade auch mit dem Typ 95 ausgezeichnet kombinieren lassen. Paracel Miniatures bietet hier zur Zeit vier Sets mit jeweils zwei Figuren an. Um das Diorama nicht zu überfüllen, kamen hier aber nur ein Teil der Figuren zum Einsatz.

Die Bemalung erfolgte auch hier, wie sollte es anders sein, ausschließlich mit Ölfarben. Der Vorteil liegt hier in der sehr langsamen Trocknungszeit, so dass man hier hervorragend „nass in nass“ oder auch mit Verblendungen arbeiten kann. Der große Nachteil von Ölfarben liegt aber auch in der sehr langsamen Trocknungszeit. So kann es zum Teil Ewigkeiten dauern, bis man die nächsten Arbeitsschritte beginnen kann. Um Abhilfe zu schaffen, arbeite ich hier mittlerweile mit einem kleinen Dörrautomaten, der eigentlich zum Trocknen von Früchten, Kräutern etc. gedacht ist. Eine Trocknungs-Temperatur von ca. 50°C über einige Stunden wirkt hier wahre Wunder, so das man Tag für Tag seine Arbeiten ohne Probleme fortsetzen kann. Dementsprechend schnell gestaltete sich die Bemalung der Figuren, die nach einer Mattierung ihren vorgesehenen Platz auf dem Diorama erhielten.





Fazit: mit dem kleinen Typ 95 Ha-Go ist IBG Models ein großer Wurf gelungen. Der Kit verspricht puren Bastelspaß. So kann man hier in kurzer Zeit und ohne Komplikationen ein vorzeigbares Modell aus dem Hut zaubern.Im Zusammenhang mit der Kombination mit den Figuren von Paracel Miniatures hat man eigentlich kostengünstig alle Komponenten zusammen, um eine kleine Vignette zu gestalten. So kann es der eine oder andere auch als Chance sehen, vielleicht über den Tellerrand zu schauen und sich mit dem Bau von passenden Dioramen zu beschäftigen, denn die dazugehörigen Arbeiten wären in allen Belangen überschaubar und würden sich dementsprechend hervorragend für den Einstieg in den Dioramenbau eignen.





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