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Finnischer BT-42 von Flyhawk

Schlacht von Vyborg 1944


von Stefan Szymanski / September 2025





Zur Geschichte:

Bei dem BT-42 handelte es sich um einen finnischen Panzer, der auf der sowjetischen BT-Serie basierte, die den Finnen während des sowjetischen Angriffskriegs 1939/40 und auch während des deutschen Russlandfeldzugs reichlich in die Hände fiel. Bei den BT-Panzern handelte es sich um sehr schnelle, aber auch nur leicht gepanzerte und bewaffnete Panzer, die zu dieser Zeit allen herkömmlichen modernen Panzern weit unterlegen waren. Da die Finnen während des Zweiten Weltkriegs quasi über keine eigene Industrie zur Herstellung eigener Panzer verfügten, die Anzahl gelieferter Panzer aus verbündeten Staaten auch nur unzureichend war, musste hier improvisiert werden. Ein Produkt dieser Improvisation war der BT-42. Dabei erhielt das BT-Fahrwerk einen neuen Turm, der mit der britischen QF 4,5inch Haubitze ausgestattet wurde. Doch konnte man diese neue Hochzeit nicht unbedingt als erfolgreich bezeichnen. So stammten die Geschütze noch aus einer Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und auch das höhere Gewicht, welches dem neuen Turm geschuldet war, wirkte sich zudem negativ auf die mechanischen Teile des Fahrwerks und Motors aus.

Ursprünglich als Panzerjäger entwickelt, erkannte man schnell, dass sich diese Selbstfahrlafette eher zur direkten Infanterieunterstützung eignete. Der BT-42 war bei den eigenen Besatzungen alles andere als beliebt. So war u.a. auf Grund des Turms der Schwerpunkt so hoch, dass die Gefahr bestand, dass der Panzer beim seitlichen Feuern durch den Rückstoß komplett umkippte.

1943 wurden die Selbstfahrlafetten aus der Front gezogen, kamen doch bei der sowjetischen Großoffensive 1944 bei der Schlacht von Vyborg notgedrungen wieder zum Einsatz, mit desolaten Ergebnissen. So wurden die restlichen Fahrzeuge endgültig von der Front abgezogen und in einem Depot zwischen gelagert, bevor diese dann später das Schicksal der Verschrottung ereilte.

 



 

Der Bausatz: 

Der Bausatz erfüllt eigentlich alle Kriterien eines „Anti-Verkaufsschlagers“ im Modellbau. Ein finnischer, ziemlich unbekannter und dazu noch nicht erfolgreicher Panzer, der den meisten Modellbauer niemals mal bekannt sein dürfte. Um so erfreulicher, dass sich Flyhawk diesen seltenen Typs angenommen hat, der natürlich genau wegen den genannten Attributen zu meinem Beuteschema passt.

Die Bauteile, die sich auf sieben Spritzlinge aufteilen, machen dabei einen hochwertigen und schön detaillierten Eindruck. Nieten, Kleinteile und selbst Schweißnähte im Turmbereich sind sehr scharf und knackig wiedergegeben. Ergänzt wird der Kit durch einen kleinen PE-Bogen, sowie Decalbogen, der die Möglichkeit zur Gestaltung von drei Versionen des BT-42 gibt.

 



 

Der Bau: 

Den Zusammenbau kann man als absolut unkompliziert bezeichnen. Flyhawk bietet dem Modellbauer mit einem kleinen Ätzteilbogen die Möglichkeit, einige Bauteile mit feinen Details zu versehen, bzw. auszutauschen. Zum Teil sind diese PE-Teile aber so klein ausgeführt, dass sich der mühselige Aufwand zu dem schon gut detaillierten Spritzgussteilen kaum lohnt. Da ich beabsichtigte, im weiteren Verlauf mit einem Dreifarbton zu arbeiten, was wiederum mit Maskierarbeiten verbunden ist, verzichtete ich auf viele PE-Teile und nahm mit den herkömmlichen Bauteilen vorlieb. Alles andere hätte das Handling des Modells bei den kommenden Arbeiten erheblich erschwert.

Zwar ist das Geschützrohr QF 4,5inch Haubitze zweiteilig ausgeführt, was man mittlerweile nicht mehr unbedingt als zeitgemäß einstufen kann, doch hielten sich die damit verbundenen Schleifarbeiten in Grenzen, was gerade auch der feinen Detaillierung der Mündung zu Gute kam.

Bei dem Kettenfahrwerk wich ich komplett von der Bauanleitung ab und verklebte die Kette nur fest mit den Treib- und Umlenkrollen. Dies sollte die späteren Lackier- und Alterungsarbeiten enorm erleichtern.

Die hinteren Auspuffrohre wurden noch mit einem kleinen Bohrer aufgebohrt und die anschließende Montage des hinteren Lichtgitters zur Motorabdeckung stellte eigentlich die einzig etwas schwierigere Aufgabe dar, die aber auch schnell gelöst war.

Nach langen Überlegen verzichtete ich auf die Abschleppseile, die in meinen Augen eher das Gesamtbild des BT-42 gestört hätten. Es war dabei nicht unüblich, dass Abschleppseile von Panzern während ihrer Einsatzzeit verloren gingen, bzw. so beschädigt wurden, dass diese keine Verwendung mehr finden konnten.

Auf Montage diverser Kleinteile wurde vorerst verzichtet. Diese sollten erst nach Beendigung des dreifarbigen Tarnanstrichs erfolgen.

 



 

Die Farbgebung und Alterung: 

Ich hatte mich schon im Vorfeld für einen interessanten Dreifarbton entschieden, den man 1944 bei der Schlacht von Vyborg bei den BT-42 vorfand. Den Anfang machte hier eine dunkle Grundierung. Anschließend begann ich mit dem Farbton, der beim angestrebten Dreifarbton am geringsten vertreten war und so die kommenden Maskierarbeiten auf das Mindestmaß reduzieren und damit erleichtern sollte. So lackierte ich das ganze Modell mit einem „Medium Brown Dark Earth“ von Ammo/MIG (A.MIG-0070), welches ich teilweise noch mit einem „Light Sand Grey“ (A.MIG-0067) aufhellte, um mehr Kontraste zu erzielen.



Nun sollte der Farbton folgen, der im Vergleich ebenfalls eher gering vertreten war. Das sollte ein „RAL 6003 Olivgrün opt. 2“ sein (A.MIG-0002). Doch vorher musste der braune Farbton abgedeckt werden. Dafür griff ich auf das „Liquid Mask“ von Ammo/MIG zurück (A.MIG-2032), mit dem ich momentan am besten zurecht komme. Dieses Liquid lässt sich im Vergleich zu anderen vergleichbaren Produkten in relativ dünnflüssiger Form mit dem Pinsel sehr gut aufbringen und auch wieder entfernen.



Nach Durchtrocknung der Maskierung erfolge nun der olivgrüne Farbauftrag, den ich ebenfalls wieder teilweise mit dem „Sand Grey“ aufhellte. Nun musste auch der grüne Farbauftrag maskiert werden, bevor ich mit einem „Russian Shine“ (A.MIG-935) den finalen Schlusspunkt beim Dreifarbton setzte. Ich möchte dabei aber erwähnen, dass ich die verwendeten Farben rein nach Gefühl aussuchte und mich dabei auf keinerlei Vorgaben von Flyhawk verließ, die für mich auch nicht unbedingt schlüssig wirkten.

Da nun die eigentlichen Arbeiten des Dreifarbtons abgeschlossen waren, konnte die Maskierung komplett entfernt werden. Anschließend konnten nun auch die vorher schon bemalten Kleinteile ihren Platz finden.



Es folgte ein kompletter und satter Überzug mit einem Acryl-Glanzklarlack (Vallejo 26.650), um eine gute Basis für die Decals und Alterung zu schaffen und zudem den bisher aufgebrachten Farbauftrag vor Beschädigungen zu schützen. Die Decals der finnischen Hakenkreuze liegen auf Grund gesetzlicher Bestimmungen nur jeweils in zweiteiliger Form bei. Das macht auch keinerlei Problem. Dieses liegt eher im Bereich des Turms, wo diese Hakenkreuze ihren Platz finden sollen. So war hier viel Geduld, Zeit und Weichmacher gefragt, bis die Decals sich der Strukturierung des Turms ausreichend angepasst hatten. Um nun auch die aufgebrachten Decals vor Beschädigungen zu schützen, folgte ein zweiter Überzug mit dem Acryl-Klarlack.



Nun war es Zeit für die Alterung. Den Anfang machte dabei ein mit stark verdünnter Ölfarbe erzeugtes dunkelbraunes Washing, welches ich punktuell auf dem Modell aufbrachte und nach kurzer Trocknungszeit mit Pinsel und White Spirit immer soweit korrigierte, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war. Als nächstes folgten Metall- und Rosttöne (ebenfalls Ölfarben), die ich dezent an Kanten und Bereiche aufbrachte, die beim Original besonderer Beanspruchung ausgesetzt waren. Kombiniert wurde dies noch mit verschiedenen Grau- und Grüntönen, mit denen ich leichte Wetterschlieren setzte.

Bei den Laufketten begann ich mit einem matten Schwarz und brachte anschließend in mehreren Schritten per kräftigen Drybrushing zuerst Rost- und anschließend Metallfarbtöne auf, womit hier eine gute Basis für die späteren Arbeitsschritte gelegt waren.



Nun erhielt das ganze Modell mit einem hellen Braun noch einen Filter, der alle Farben miteinander besser harmonisierte. Dabei wurde dieser Filter mit einem Flachpinsel sehr dünn auf dem gesamten Modell aufgebracht. Nach ausreichender Trocknungszeit wurde noch das ganze Modell mit einem Ultra-Mattlack (Vallejo 27.653) versiegelt.



Nun war man fast am Ende der Arbeiten angelangt. Was noch fehlte, waren Pigmente, die gerade im Fahrwerksbereich Verwendung finden sollte. Ich nutzte hier „Rubble“ (A.MIG-3013) und „Golan Earth“ (A.MIG-3026), die ich mit White Spirit und Pinsel dezent(!) auf den vorgesehenen Stellen aufbrachte und immer wieder so bearbeitete, bis ich mit dem Resultat zufrieden war.

Jetzt musste nur noch das Fahrwerk in wenigen Schritten montiert werden, womit die Arbeiten am BT-42 auch abgeschlossen waren.

 



 

Das Diorama: 

Ziel war es, für den BT ein waldiges Umfeld ohne Bäume zu schaffen. Die Verwendung von Bäumen hätten sich nur negativ auf die Proportionen/ Größe des Dioramas ausgewirkt, welches ich bewusst klein halten wollte.

Mit einer gewissen Vorstellung im Kopf ging ich also an die Planungen und lotete auf einem Blatt Papier die genauen Abmaße aus, die ich auf eine Pressspanplatte und dünnen Holzleisten übertrug. Ich wollte dabei ein leicht abfallendes Gelände schaffen, um den doch eher kleinen BT mehr Geltung zu verschaffen.



Als der passende Rahmen gefertigt, verschliffen, lackiert und zum Schutz vor Verschmutzungen abgeklebt war, wurde aus Zweikomponenten-Knetmasse ein Untergrund geschaffen, wobei ich das schon vorher erwähnte leicht abfallende Gelände berücksichtigte. Nun ging es an die Bodenstruktur. Dabei griff ich auf ein Gemisch aus Vogelsand und Heilerde zurück, welches ich mit einem Holzleim-Wassergemisch auf die mittlerweile durchgetrocknete Knetmasse aufbrachte. Dabei fanden auch ein abgestorbener Baustamm und Ast aus meiner Restkiste ihren Platz, die ich vorsichtig ins Gelände eindrückte. Anschließend mussten nur noch die Fahrspuren des BT berücksichtigt werden. Dabei drückte ich das Modell des BT vorsichtig in die noch nicht vollständig durch getrocknete Bodenstruktur und arbeitete die Fahrspur noch ein wenig aus. Jetzt musste Farbe ins Spiel kommen. Dabei kamen die gleichen Pigmente zum Einsatz, die auch schon beim BT Verwendung gefunden hatten. Diese Pigmente brachte ich mit Pinsel und Pigment-Fixer in breiiger Konsistenz auf dem Diorama auf. Auch wenn es im ersten Moment immer sehr ungewöhnlich und „unschön“ wirkt, so entfalten diese Pigmente erst immer nach ausreichende Trocknungszeit ihre wahre Wirkung. So sollte man ausreichend Zeit einplanen (um die 24 Stunden), um die Pigmente ohne Hilfsmittel natürlich abtrocknen zu lassen. 



Es folgte das Statikgras, welches ich mit einem Beflocker und verdünnten Holzleim an den vorgesehenen Stellen aufbrachte. Nachdem der Holzleim abgetrocknet war, wurden die Grasreste mit einem Sauger entfernt. Um das Statikgras realistischer erscheinen zu lassen, erfolgte auch hier eine farbliche Nachbearbeitung mit mehreren Grün- und Brauntönen. Natürlich sah jetzt alles immer noch zu geordnet und damit unrealistisch aus. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde nun noch ein gewisses Unterholz geschaffen. Dabei griff ich auf die Produkte von DioDump („Dry Terrain“ DD065-F und „Burnt Umber Soil“ DD065-E) zurück, verteilte und fixierte diese im Gelände durch „Sand & Gravel Glue“ (A.MIG-2012), welches ich vorsichtig durch eine Pipette auf die vorgesehenen Stellen tropfenweise ablaufen ließ.

Zu guter Letzt setzte ich noch ein wenig Buschwerk, vorwiegend im hinteren Bereich des Dioramas und stabilisierte dieses mit matten Sprühklarlack.

Den Abschluss bildete eine dezente Übernebelung per Airbrush mit einem Tamiya „Buff“.

 



 

Die Figuren: 

Hier griff ich auf zwei Figurensets von White Stork Miniatures zurück, die wie geschaffen für die BT-42-Szenerie waren. Ich habe schon in der Vergangenheit mit dem Hersteller sehr gute Erfahrungen gesammelt und es ist mehr als erfreulich, dass sich hier das schon breite Sortiment an Figurensets aller Epochen stetig steigert. Bei mir standen nun die Sets „Finnish Tankers WW2“ (WSM-F72096) und „Finnish Soldier and Russian Prisoner“ (WSM-F72111) im Focus. Die Figuren verfügen dabei über eine hervorragende Detaillierung. Als kleinen Wermutstropfen könnte man vielleicht sehen, dass sich die beiden Figuren der finnischen Panzerfahrer nur schwer in einer Szenerie kombinieren lassen. So griff ich hier auch nur auf den Panzerkommandanten mit Kopfhörern zurück, der später seinen Platz im Turmluk finden sollte. Die Bemalung erfolgte hier ausschließlich mit Ölfarben. Nach Abschluss der Bemalung folgte hier nur noch ein dunkelbraunes Washing und dezentes Drybrushing mit einem hellen Sandton, um die schönen Details der Figuren noch besser zur Geltung kommen zu lassen. Nach einer Mattierung fanden die Figuren dann ihre Bestimmung auf dem Diorama.

 



 

Fazit: 

Es ist schön, dass ich meine Sammlung mal wieder mit einer Rarität bereichern konnte, die man eher selten im kommerziellen „Mainstream-Modellbau“ vorfindet. Das Modell bietet dem Einsteiger, sowie fortgeschrittenen Modellbauer alle Möglichkeiten ein kleines und schön detailliertes Abbild des finnischen BT-42 zu schaffen. White Stork Miniatures bietet hier mit mehreren Figurensets finnischer Soldaten im Zweiten Weltkrieg die Möglichkeit, die eine oder andere schöne Szenerie zu schaffen. Es sind also alle Attribute gesetzt, Flyhawk für seinen wirtschaftlich eher ungewöhnlichen Schritt zu belohnen und sich ein Modell zuzulegen, welches viel Bastelspaß verspricht.



Anmerkung: 

In Deutschland ist das Verwenden und Zeigen verfassungswidriger Zeichen durch den §86a STGB geregelt und verboten und obwohl es sich beim Modell um finnische Hakenkreuze handelt, wurden diese von uns unkenntlich gemacht. Wir bitten hier um Verständnis.



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