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''Russland-Feldzug im Sommer 1941'' Panzerkampfwagen PzKpfw 38(t)

Bausatz von Hobby-Boss im Maßstab 1/72


von Stefan Szymanski im Mai 2024





Zur Geschichte: 

Bei den Pz.Kpfw. 38(t) handelt es sich eigentlich um einen tschechischen Panzer, der den Deutschen nach der Annexion der Tschechei noch vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs in großer Stückzahl in die Hände fiel. So spielte der kleine Panzer gerade in den ersten Kriegsjahren eine wichtige Rolle. Erst nach dem Einmarsch in Russland musste man sich eingestehen, dass man mit diesen Panzern den russischen Gegnern in Form des KW 1 und 2, sowie T-34 nicht mehr gewachsen war.  So wurde der 38(t) ab 1942 aus der Front gezogen, doch fand das hervorragende Fahrwerk weiter in verschiedenen Varianten in Form des Marder III oder Hetzer Verwendung, wobei die Hetzer-Variante bis in die 60iger Jahre den Dienst in der schweizerischen Armee versah und sogar noch von Syrien im Sechs-Tage-Krieg (1967) eingesetzt wurde.



 

 

Der Bausatz: 

Hobby Boss wird mit diesen Kit wieder seinen Ruf gerecht, gewisse Nischen mit einem interessanten Modell zu füllen, wobei man aber gute Ideen dann wieder nur halbherzig umsetzt.

So setzt sich der ca. 6,5cm lange 38(t) aus einer überschaubaren Anzahl an Bauteilen zusammen, die zu meist über eine wirklich schöne Detaillierung verfügen. Gerade die für den Skoda so charakteristische Nietenstruktur wird hier sehr schön wiedergegeben.



Eine gewisse Ernüchterung kommt dann beim zweiten Blick. So liegen die Kettenlaufwerke jeweils als komplettes Bauteil vor, was natürlich die Montage erheblich vereinfacht, doch sind die Ketten im Innenbereich der Kettenzähne nur als Vollmaterial ausgeführt. Zum einen kann man darüber streiten, ob dies nach Stand der Technik wirklich noch zeitgemäß ist. Zum anderen lässt sich dieses Manko nur schwierig ausbessern.

Ebenfalls als negativen Aspekt muss man die Kommandantenluke sehen, die sich leider nur im geschlossen Zustand darstellen lässt. Gerade, wenn die Modelle später Bestandteil eines Dioramas werden sollen, sind geschlossene Luken immer wieder ein Ärgernis. Um so unverständlicher ist es in meinen Augen, dass manche Hersteller nur aus Gründen einer vielleicht vereinfachten Fertigungsproduktion diesen Aspekt immer wieder außen vor lassen. Alle Werkzeuge sind auf der Wanne angegossen, wobei hier gerade die Spitzhacke und Schaufel im seitlichen Bereich nicht wirklich überzeugen. Auch die Abschlepphaken im Heck- und Bugbereich sind als Vollmaterial wiedergegeben und verstärkt den doch eher oberflächlichen Eindruck des Bausatzes.

Dafür liegen die Bauteile D6 und D10 in doppelter Ausführung bei, obwohl diese nur einmal benötigt werden.

Die Bauanleitung lässt keinerlei Fragen offen und wird durch eine schöne farbige Mehrseitenansichten der sechs Varianten ergänzt, die der beiliegende Decalbogen ermöglicht.



 

 

Der Bau: 

Manchmal ist dem Modellbauer nach „Fastfood“ und so kann man auch den Bausatz bezeichnen. Wenig Bauteile, keine ersichtlichen Komplikationen und damit ein problemloser und schneller Zusammenbau. Über die angesprochenen Defizite des Bausatzes sah ich drüber weg und beabsichtigte, das Modell quasi „direkt aus der Schachtel“ zu bauen. So arbeite ich mich grundsätzlich nie zu sehr an den Details meiner Modelle ab, da bei mir immer das dazugehörige Diorama im Focus steht. So sollte es auch dieses Mal sein. Der Zusammenbau bereitete dabei keinerlei Probleme. Durch den gut durchdachten Aufbau der jeweiligen Bauteile lief man auch nie in Gefahr, eventuell durch Schleifarbeiten die sehr feine Nietenstruktur zu zerstören. Lediglich die sehr einfach gestalteten Abschleppösen im Bug- und Heckbereich des Modells kaschierte ich mit Abschleppösen. Damit war es auch fast schon mit der zuzüglichen Arbeit getan.



So griff ich hier noch auf den passenden „Accessories Set“ von BlackDog zurück (T72156), um den kleinen 38(t) mehr Leben und damit Authentizität zu verleihen. Dieser Set beinhaltet viel Gepäck, welches zum Teil nicht wirklich Sinn macht. So konzentrierte ich mich hier auch nur auf die Bauteile, die sich auf den Heckbereich bezogen, um den kleinen Panzer optisch nicht zu überladen.




 

Die Farbgebung: 

Zu Beginn des Barbarossa-Feldzugs war bei der Wehrmacht „Panzergrau“ Trumpf. So griff ich hier auf die gleiche Methode zurück, mit der ich schon in der Vergangenheit gute Erfahrungen gesammelt hatte. Den Anfang machte dabei ein „Grey Base“ von Ammo/ MIG (A.MIG-0908), mit dem ich das ganze Modell durchgehend lackierte. Anschließend hellte ich mit einem „Grey Light Base“ (A.MIG-0909) nur bestimmte Bereiche des Modells dezent auf. Den Abschluss bildete dann ein „Greyshine“ (A.MIG-0911), mit dem ich mehr oder weniger ein grobes Drybrushing betrieb.



Alle anderen Farbarbeiten erfolgten mit dem Pinsel. Nach einer Vollversiegelung mit Acryl-Glanzklarlack (Vallejo 70.510) wurden dann die Decals aufgebracht, die anschließend wieder mit Klarlack versiegelt wurden. Damit war die Basis für die folgenden Alterungarbeiten geschaffen.



Bei der Alterung ging ich dieses Mal dezenter vor und verzichtete unter anderem an übertriebenen Rostdarstellungen. Auch Wetterschlieren spielten dieses Mal eine mehr als untergeordnete Rolle. So waren damals die Fahrzeuge zu Beginn des Feldzugs in einem guten, gewarteten Zustand und vorwiegend Staub und Hitze ausgesetzt. So konzentrierte ich mich vorwiegend auf einige blanke Metallstellen an besonders beanspruchten Stellen des damaligen Originals. Als nächster Schritt folgte ein dunkelbraunes punktuelles Washing, womit gerade die charakteristische Nietenstruktur weiter betont wurde. Um die Wirkung des Washings weiter zu vertiefen, folgte nun noch mal ein kräftiges Drybrushing mit einem warmen Grau (Revell 75). Für eine allgemeine Farbharmonisierung erhielt das ganze Modell zum Abschluss noch einen hellbraunen Filter (Ammo/ MIG F242), bevor eine Versieglung mit Mattlack erfolgte (Vallejo 26.702).



Jetzt war es Zeit für die Einstaubung und damit für Pigmente. Hier griff ich auf Pigmente von AK zurück („Europe Earth/ AK042), die ich stark verdünnt mit Pigment-Fixer und/ oder Thinner gerade im Fahrwerksbereich des Modells aufbrachte. Im Aufbaubereich des Panzers arbeitete ich dabei eher dezent. Um den Staub weiter zu betonen, wurde am Ende das ganze Modell inklusive Gepäck dezent per Airbrush mit einem Tamiya „Buff“ (XF-57) übernebelt.




 

Das Diorama: 

Als Vorlage und Inspiration diente mir hier ein Originalbild, welches die damaligen gewaltigen Truppenvormärsche auf den staubigen Rollbahnen zeigte.

Den Anfang machte hier wieder Bleistift und ein Blatt Papier, auf dem ich die genauen Proportionen und Abmaße des Dioramas festlegte. Die passende Pressspanplatte und Zierleisten waren schnell gesägt, vertikal angepasst, schwarz lackiert und abgeklebt. Nun konnte es ans Innenleben gehen. Mit Styrodur gestaltete ich das vertikal abgesetzte Plateau. Anschließend folgte eine grobe Bodengestaltung mit Füllspachtel. Mit Vogelsand, Heilerde und einem Holzleim-/Wassergemisch wurde nun die eigentliche und damit feinere Bodenstruktur gestaltet.



Diese musste nun einige Stunden gut durchtrocknen, bis die nächsten Arbeitsschritte folgen konnten. Die gleichen Pigmente, mit denen ich auch schon den 38(t) bearbeitet hatte, dienten nun auch zu farblichen Bodengestaltung. Nur im Bereich, an dem später eine Art Waldrand entstehen sollte, kamen etwas dunklere Pigmente in Form von „Golan Earth“ (A.MIG-3026) zum Einsatz.



Nun war es Zeit für die Fichten. Hier griff ich auf Produkte von Titans Hobby zurück. Diese Fichten (TTH266) sind nicht gerade billig, überzeugen aber durch eine realistische Gestaltung und ersparen so dem einen oder anderen eine Menge Zeit und Nerven bei der Baumgestaltung. Als nächstes wurde nun Bodengrund zur Waldgestaltung vorwiegend im Waldrandbereich aufgebracht („Ground Base – Bombed Forest“ von Reality in Scale/ RISBAS05) und mit einem „Sand & Gravel Glue“ (A.MIG-2012) fixiert, welches ich vorsichtig von einem großen Pinsel ablaufen ließ. Einige Grasbüschel lockerten die Szenerie weiter auf, wobei ich diese Grasbüschel mit diversen Grün- und Brauntönen weiter bearbeitete. Zu guter Letzt setzte ich noch etwas Buschwerk, um den angedeuteten Waldrand weiter zu verdichten. Auch hier erfolgte eine dezente, farbliche Nachbehandlung mit Grüntönen.



Um nun der ganzen Szenerie den typisch sommerlich staubigen Touch zu verleihen, wurde nun zum Abschluss das ganze Diorama mit dem besagten Tamiya „Buff“ leicht übernebelt.




 

Die Figuren: 

Es ist immer wieder erstaunlich, dass ich grundsätzlich Probleme habe, die passenden Figuren zu finden. Zum Thema deutsche Panzerbesatzungen/ Wehrmacht hat man mittlerweile wirklich eine große Auswahl, doch beziehen sich 90% dieser Figuren auf spätere Zeitepochen des Krieges mit den damit typischen Abwandlungen in Sachen Uniform. So griff ich auf meinen Altbestand zurück, in dem ich zwei Figuren von Milicast fand, die bis dato über viele Jahre ein tristes Dasein in einer Schublade gefristet hatten. Weniger Probleme hatte ich da bei der marschierenden Infanterie. Hier bediente ich mich bei mehreren Sets von TDQ Castings/ CP Models. Die aus Weichmetall gefertigten Figuren verfügen über eine liebevoll gestaltete Detaillierung. Lediglich die Waffen in Form des K98-Karabiners oder den MPs können dabei nicht ganz mithalten und vermitteln eher eine Zugehörigkeit zum Wargaming-Bereich. Ein Infanterist von  Munich rundete die ganze Sache ab. Nach einer Grundierung erfolgte die Bemalung ausschließlich mit Ölfarben. Nach Abschluss der Farbarbeiten wurden die Figuren matt versiegelt und anschließend mit den schon vorher genutzten Pigmenten dezent bearbeitet. Auch hier erfolgte wieder eine leichte Einnebelung mit Tamiya „Buff“. Immerhin sah man den damaligen Landsern beim Vormarsch auf den staubigen Rollbahnen die staubige Belastung regelrecht an, dem ich natürlich versuchte, gerecht zu werden.

Nun mussten die Figuren nur noch ihre vorgesehene Position auf dem Diorama finden, um auch dieses Projekt zum Abschluss zu bringen.




 

Fazit: 

Wie schon zu Anfang erwähnt, ist dem Modellbauer manchmal nach einfacher Kost. Dafür eignen sich Kits wie der 38(t) hervorragend. Während sich also bei mir der „Hauptgang“ recht einfach gestaltete, schenkte ich dem „Nachtisch“ in Form des Dioramas weit aus mehr Aufmerksamkeit. Mittlerweile ist es aber bei mir Norm geworden, grundsätzlich mehr Arbeit in ein Diorama anstatt ins Modells zu stecken. Dementsprechend sehe ich dann auch über gewisse Defizite wie zum Beispiel den Laufketten des 38(t) gerne mal hinweg. Immerhin geht es hier dann um eine ganze Szenerie, in dem das Modell nur EINE Rolle von vielen spielt und eben auch viele andere Attribute zur Geltung kommen sollen. Nichts desto Trotz muss man Hobby-Boss mal wieder(!) eine gewisse Oberflächlichkeit bei der Bausatzgestaltung/ -fertigung assistieren. Es mag verständlich sein, dass man den Produktionsaufwand und die damit verbundenen Kosten so gering wie möglich halten will, nur kann sich das auch kontraproduktiv auf die Qualität eines Bausatzes auswirken. So eignet sich der Bausatz hervorragend für den Einstieg in den Modellbau, während die angesprochenen Defizite den anspruchsvolleren Modellbauer eher sauer ausstoßen dürften, da diese eben alles andere als leicht zu beheben sind. So bleibt nur übrig, dieses Manko zu akzeptieren oder zu warten, bis hier vielleicht in naher Zukunft der eine oder andere Zubehör-Hersteller Abhilfe schafft.



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