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LGOC Mobile Pigeon Loft

Bausatz von Roden im Maßstab 1/72


von Stefan Szymanski / Okt. 2021





Zur Geschichte: der Erste Weltkrieg war der erste industrielle Krieg, der gerade in Sachen Technologie viele neue Maßstäbe setzte. Alte, vorherige militärische Taktiken mussten als überholt und nicht mehr zeitgemäß angesehen werden. Auch war der Erste Weltkrieg die Geburtsstunde neuer Waffengattungen, wie dem Panzer, das U-Boot und dem Flugzeug.

Auch die Funktechnik steckte hier in ihren Kinderschuhen. Zwar gab es schon mobile Funkgeräte, doch waren diese recht schwer und unzuverlässig. Um hier aber eine zuverlässige Kommunikation unter den Einheiten zu gewährleisten, griff man auf ein bewährtes Mittel früherer Zeiten zurück. So sollte die Brieftaube eine zuverlässige Verbindung auf dem Schlachtfeld aufrecht erhalten. Dafür befestigte man eine kleine Kapsel mit einer Nachricht am Fuß der Taube, die dann auch über größere Distanzen den Weg zurück in ihren Taubenschlag fand. Bei einer durchschnittlichen Fluggeschwindigkeit von ca. 100 Km/h versprach diese alte, aber bewährte Methode die schnellste Art der Nachrichtenübermittlung zum Empfänger. Die mobilen Taubenschläge wurden dabei ca. 15-20 Km hinter der Front platziert, während man die Brieftauben in speziellen Körben mit in die ersten Linien nahm. Da hier aber die Gefahr bestand, dass die Taube während der Übermittlung über dem Schlachtfeld getötet wurde, setzte man nach Möglichkeit immer mehrere Tauben mit der gleichen Nachricht gleichzeitig ein. Allein während der Schlacht an der Somme 1916 setzten die Franzosen 5000 ihrer insgesamt 25000 Brieftauben ein. Die Brieftaube wurde aber auch zu Spionagezwecken und auch zur Aufklärung eingesetzt. Dabei wurde der Taube ein kleine automatisch auslösende Kamera umgeschnallt. Die Brieftaube spielte eine so große Rolle, dass es den Belgiern im besetzten Belgien von deutscher Seite verboten wurde, Brieftauben zu halten.

Obwohl sich die Funktechnik während des Krieges dauernd weiter entwickelte, spielte die Nachrichtenübermittlung per Brieftaube weiterhin eine wichtige Rolle. So wurde einer Brieftaube sogar einer der höchsten Tapferkeitsauszeichnungen Frankreichs, den Orden „Croix de Guerre“ verliehen, als diese 1918 durch ihre Nachrichtenübermittlung eine ganze amerikanische Einheit aus einer Umzingelung und damit vollständigen Vernichtung und Gefangennahme retten konnte.

Zu Anfang des Krieges verwendete man von Pferden gezogene Anhänger als mobile Taubenschläge. Im Laufe der Zeit wurden diese Anhänger durch Doppeldecker-Busse vom Typ B ersetzt, die auch als Truppentransporter anstelle von Londons Straßen nun die Westfront befuhren. Einige dieser Busse wurden für die Verwendung als mobiler Taubenschlag entsprechend umgebaut. Dabei wurden  die Sitzbänke auf beiden Ebenen entfernt, die Fenster zum Teil mit Brettern verschlossen und die obere Etage mit seitlichen Drahtgeflecht-Kästen versehen. Die nun für die Taubenhaltung optimierten Busse konnten so bis zu 75 Brieftauben aufnehmen. Insgesamt verfügten die Briten während des Ersten Weltkriegs über zwei Taubenschläge pro Division.

 




Der Roden-Kit: der Spritzgussbausatz des Type B Busses kommt mit sechs Spritzlingen daher. Dabei verfügen einige Bauteile über eine Fischhaut, was ein ordentliches Verputzen nötig macht. Auch schmälern einige Senkstellen an eher unvorteilhaften Stellen ein wenig das Gesamtbild. Für die Gestaltung der oberen Seitenverschläge hat Roden dem Bausatz ein engmaschiges Netz beigelegt, was man eher als suboptimal bezeichnen kann. Mit dem beiliegenden Decalbogen lassen sich eine zweifarbige Version von 1916, sowie eine Variante in einer Mehrfachtarnung von 1918 darstellen. Klarsichtfolien, die zur Verglasung der Fensterbereiche dienen komplettieren hier den Bausatz.



 


Bau des Roden-Kits: im Grunde ging ich hier nach der Bauanleitung vor, wobei ich gewisse Arbeitsschritte in einer anderen Reihenfolge ausübte, was die späteren Lackierungsarbeiten und allgemeine Handling erleichtern sollten. Da ich den Bausatz in vier separate Sektionen einteilte (unterer Bereich, Aufbau, Treppenbereich und Dach) setzte ich zum Beispiel die Klarsichtfolien erst ganz am Schluss, nach Beendigung aller Lackierungsarbeiten ein. In der Bauanleitungen kamen dabei einige Ungenauigkeiten zum Vorschein. Anstatt 8B sollte 8A verwendet werden (Arbeitsschritt 5), die Bauteile 1D und 11D waren tatsächlich 3E und 8E (Arbeitsschritt 12) und auch das Bauteil 11E war tatsächlich 11D (Arbeitsschritt 16). Leider hat Roden im unteren Bereich die zweiteilige Tür komplett vergessen. Eine kleiner Makel, der sich aber in Eigenarbeit schnell erledigt hatte. Die seitlichen Halterungen für Trinkwasser (7E und 12E) sind sehr einfach gehalten, so dass ich hier mit Hilfe von Plastiksheet ein wenig mehr Detail ins Spiel brachte. Der eigentliche Knackpunkt des Bausatzes sind aber eindeutig die seitlichen Verschläge im Aufbau. Roden hat hier ein engmaschiges Netz beigelegt, welches passend zurecht geschnitten und dann von außen auf den Verschlag-Rahmen aufgebracht werden soll. Das Ergebnis kann hier nicht zufriedenstellend sein und dürfte sich in keinster Weise mit den Vorgaben des Originals decken. Abhilfe konnte hier nur in Eigenarbeit geschaffen werden. So fertige ich aus Profilsheet die passenden seitlichen Rahmen und verwendete für den Maschendraht eine Ätzteil-Platine von Saemann. Mit Hilfe einer Feinsäge sägte ich mir die passende Stücke zu recht und verklebte diese dann innen (!) im Rahmen. Dabei sollte unbedingt beachtet werden, dass dieses Maschendrahtgitter diagonal verwendet wird! Mit dem im Abstand schwierigsten Abschnitt waren dann die eigentlich Bauarbeiten am Modell vorerst abgeschlossen und es konnte zur Lackierung gehen.



 


Farbgebung des Roden-Kits: ich plante hier, den Bus im Mehrfarbton zu gestalten, wie dieser 1918 an der Westfront im Einsatz war. So war hier zu Anfang die Recherche gefragt, um die wirklich passenden Farbtöne zu finden. Ich wollte mich dabei nicht an die Vorgaben der Bauanleitung halten und orientierte mich lieber an einigen nachkolorierten Original-Bildern des Vorbilds. Meine Wahl fiel letztendlich auf MIG-074 „Green Moss“, MIG-925 „Olive Drab“ und Mr. Color 26 „Duck Egg Green“. Der Anfang machte hier der hellste Farbton „Duck Egg Green“. Anschließend mussten diverse Bereiche des Modells abgeklebt werden, bevor die anderen beiden Farbtöne folgen konnten.  Nach der eigentlichen Farbgebung folgten die Kleinarbeiten per Pinsel. Nach einer Versiegelung mit Glanzklarlack konnten nun die passenden Decals aufgebracht werden, die wiederum mit Glanzklarlack versiegelt wurden. Nun wurden noch leichte und dezente Abnutzungsspuren in Form von abgeplatzter Farbe und ein wenig Rost im Unterbereich gesetzt. Mit einem Zahnstocher und weißer und dunkelgrauer Ölfarbe brachte ich dezent gerade im Dachbereich ein wenig Taubendreck auf.

Diverse Filter passten die Farben mehr aneinander an. Anschließend folgte ein Washing mit „Umbra gebrannt“ (Ölfarbe). Nach Beendigung der eigentlichen Farbarbeiten wurde nun noch das ganze Modell komplett mattiert. Nun kamen noch Pigmente zum Einsatz, mit denen ich primär den Unterbereich des Modells bearbeitete. Um die Verschmutzung weiter zu vertiefen, benebelte ich diesen Bereich zuzüglich per Airbrush mit Tamiya „Buff“.

 


Finale Arbeiten am Roden-Kit: nach Beendigung aller Farbarbeiten konnten nun alle Baugruppen zur Komplementierung des Modells zusammen gebracht werden. Zuerst brachte ich dabei in der Untersektion die Glasscheiben an. Zwar liegt dem Kit eine Klarsichtfolie bei, doch fand ich diese wenig geeignet. So benutzte ich hier eine Folie aus dem eigenen Fundus, schnitt mir die Fenster passend zu recht und brachte diese mit Hilfe von Holzleim an den jeweiligen Stellen an.

Nun konnte die obere mit der unteren Sektion (noch ohne Dach!) verklebt werden. Auch der hintere Treppenaufgang fand nun seinen Platz. Was ist aber ein mobiler Taubenschlag ohne Tauben? So nutzte ich hier zum einen die Tauben aus dem Kit und ergänzte diese noch mit einigen Tauben aus einem Nikolai-Set, der mehrere Farm-Tiere beinhaltet. Die Tauben weisen eine ungefähre Größe von 2mm auf, so konnte ich hier ein typisches Tauben-Muster mehr oder weniger nur andeuten, was aber für den Maßstab vollkommen ausreichend ist. Die fertig bemalten Tauben wurden dann im inneren des Taubenschlags platziert. Nun konnte auch das Dach aufgesetzt werden. Mit der Montage der Räder waren dann die Arbeiten am Modell komplett abgeschlossen.

 




Bau des Dioramas: wie auch bei früheren Arbeiten, lotete ich mit Hilfe eines Blattes die genaue Größe und Proportionen des Dioramas aus. Mit einer passend zurecht gesägten Pressspanplatte und Holzleisten war die Basis, bzw. Rahmen schnell geschaffen, der noch verschliffen, schwarz lackiert und anschließend zum Schutz bei den folgenden Arbeiten mit Maskierband abgeklebt wurde.

Mit Hilfe von Styrodur schuf ich die passenden Höhen. Nun wurde mit Schnellspachtel die eigentliche Bodenstruktur gestaltet. Mit Hilfe von Vogelsand und Heilerde in Verbindung mit einem Holzleim-Wasser-Gemisch wurde diese Bodenstruktur weiter verfeinert und angepasst. Nun konnten auch zusätzliche Komponenten, wie die Ziegel von Juweela und die Kopfweide aus der Restekiste ins Diorama eingearbeitet werden. Nach dem Abtrocknen des Holzleim-Wasser-Gemisches verfestigte ich die Bodenstruktur mit der Emaille-Farbe 89 von Revell. Dieser Erdton diente gleichzeitig als Farbgrundbasis für die folgenden Arbeiten. So bin ich mittlerweile dazu übergegangen, Bodenstrukturen farblich ausschließlich mit passenden Pigmenten zu gestalten. In diesem Fall diente „Europe earth“ von AK (AK042) als Basis. Ich vermischte dabei die Pigmente mit einem Pigment-Fixer zu einer streichbaren Masse und brachte diese komplett auf dem Diorama auf. Nun war es Zeit, die Pigmente ohne Zuhilfenahme diverser Hilfsmittel (zB. Föhn) abtrocknen zu lassen. Erfahrungen haben mir dabei aufgezeigt, dass ein beschleunigtes Abtrocknen (zB. durch einen Föhn) die ursprüngliche Farbgebung der Pigmente ungemein verfälschen kann. Am nächsten Tag erfolgten nun die Feinarbeiten. Dabei dunkelte oder hellte ich die vorher verwendeten Pigmente  dementsprechend ab oder auf und verlieh so der ganzen Bodenstruktur insgesamt mehr Tiefe.

Mit einem Ochsenkarren eines eher unbekannten Kleinserien-Herstellers, den ich noch passend demolierte setzte ich noch ein weiteren Akzent ins Diorama.

Nun sollte noch die passende Vegetation für eine weitere Auflockerung der ganzen Szenerie ins Diorama eingebracht werden. Vorgesehen war dabei, diese Vegetation eher spärlich als üppig zu gestalten. Hierbei kamen die bekannten Grasbüschel und Büsche der bekannten Hersteller wie MiniNatur oder Noch zum Einsatz. Dabei bekam die Kopfweide auch weitere Ästchen verpasst, was dem Gesamtbild sehr zu gute kam.

Zum Abschluss nebelte ich das ganze Diorama mit Tamiya „Buff“ ein. Das verlieh der ganzen Szenerie einen insgesamt eingestaubten Eindruck. Da ich im Vorfeld schon das Modell ebenfalls mit „Buff“ behandelt hatte, wirkte nun nichts aufgesetzt.

Mit der Entfernung des Maskierbandes und der Anbringung eines passenden Sockelschildes von Diosockel waren die eigentlichen Arbeiten am Diorama abgeschlossen.



 


Die Figuren: bei den Figuren griff ich ausschließlich auf Sortimente von W^D zurück. Mit den Figuren des Herstellers hatte ich schon bei vergangenen Arbeiten sehr gute Erfahrungen gemacht. So weisen die Figuren eine hervorragende Detaillierung auf. Zudem hat man hier immer die Wahl, zwischen verschiedenen Köpfen (mit Helm oder Mütze) zu wählen.

Die Bemalung erfolgte mit Ölfarben. Die größte Herausforderung waren hier die MP-Zeichen auf den Armbinden (Militär-Polizei), die akkurat mit dem Pinsel aufgebracht werden mussten. Dies ist mir auch gut gelungen, nur im Nachhinein leider sehr schwer erkennbar, da die Briten roten Buchstaben auf schwarzen Untergrund nutzen.

Nach der Bemalung wurden die Figuren noch mattiert und versiegelt, bevor diese ihren vorgesehenen Platz auf dem Diorama erhielten.

 




Fazit: Während der Kit an sich einen sehr schönen und detaillierten Eindruck macht, muss man die Gestaltung der oberen seitlichen Taubenschläge einfach als einfallslos, lieblos und misslungen bezeichnen. Hier muss eine Menge Eigenarbeit geleistet werden, um Abhilfe zu schaffen, was den Gesamteindruck unnötigerweise ungemein schmälert. Ein Bau aus der Schachtel ist hier quasi nicht möglich. Das sollte eine Einladung für den einen oder anderen Kleinserien-Hersteller sein, um hier mit Hilfe eines Upgrade-Sets Abhilfe zu schaffen.

Immerhin ist ein Gefährt dieser Art in jeder heimischen Vitrine und auf Messen/ Ausstellungen ein regelrechter „Eye-Catcher“…



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