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Italienische Haubitze „Obice da 305/17 su affusto Garrone“

Aktualisiert: 27. Dez. 2023

GB Modelli im Maßstab 1/72


von Stefan Szymanski / Juni 2023





Zur Geschichte:

der Ursprung zur Entwicklung dieser Haubitze nahm im Jahr 1908 ihren Lauf, als die italienische Armee nach dem Russisch-Japanischen Krieg zu der Erkenntnis kam, dass die bisher im Dienst stehende 280mm-Ansaldo-Haubitze nicht wirklich den geforderten Ansprüchen entsprach. Nach einer Ausschreibung für eine 305mm-Haubitze erhielt Amstrong-Pozzuoli den Zuschlag, wobei noch Änderungen u.a. am Ladesystem und der Munition vorgenommen werden musste, bevor das Geschütz ab 1914 vorerst bei der Küstenartillerie zum Einsatz kam.

Bis zum Herbst 1917 waren 38 Haubitzen verfügbar, wobei bei der Niederlage von Caporetto neun Geschütze verloren gingen. Da der Artillerie-Hersteller Vickers-Terni ebenfalls in die Produktion einstieg, konnten bis zum Kriegsende weitere 18 Geschütze gefertigt werden.

Während des Krieges galt diese Haubitze als die beste ihres Kalibers und war dem österreichischen Gegenmodell von Skoda im gleichen Kaliber in Sachen Reichweite und Durchschlagskraft überlegen. Der Nachteil lag hier eindeutig nur in der Mobilität. Zur Bedienung war eine 13köpfige Mannschaft nötig, um mit den ca. 450 Kg schweren Geschossen eine durchschnittliche Feuerrate von einen Schuss in zwölf Minuten zu erzielen. Die Reichweite betrug dabei ca. 17600 Meter.

Nach dem Krieg wurden fünf dieser Haubitzen an Spanien verkauft. Während des Zweiten Weltkriegs waren einige dieser Geschütze auf den Angriff auf Frankreich in den Westalpen beteiligt. Anschließend fanden die übrigen Haubitzen in der Küstenverteidigung am Lido von Rom und den Häfen von Neapel, Catania, La Spezia und La Maddalena Verwendung. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg erfüllten die Haubitzen weiter die Aufgabe der Küstenverteidigung, bis die letzten Exemplare 1959 endgültig verschrottet wurden.




Der Bausatz:

bei GB Modelli handelt es sich um einen Kleinserienhersteller aus Italien, der sich hauptsächlich dem Kriegsgerät der italienischen Armee im Ersten Weltkrieg, vorwiegend im Maßstab 1/72 verschrieben hat. So führt GB Modelli auch mehrere Varianten dieser oder ähnlicher Haubitzen im Sortiment, die den typischen Charme des frühen 20. Jahrhunderts versprühen und damit natürlich gerade auf mich einen gewissen Reiz ausüben.

Der Bausatz setzt sich aus einer überschaubaren Anzahl an Resinteilen zusammen, die über eine ausgezeichnete Qualität verfügen. Besonders erwähnenswert ist hier die Lafette mit der sehr schön ausgeprägten Nietenstruktur. Zudem liegen dem Kit zwei Verschlussblöcke bei, die dem Modellbauer ermöglichen, den Ladeverschluss geöffnet oder geschlossen darzustellen.

Eine Bauskizze, sowie mehrere Baustufenbilder findet man als Bauanleitung wieder, die aber keine Fragen offen lässt und niemanden vor größere Probleme beim Zusammenbau stellen sollte.




Der Zusammenbau:

machte dabei keinerlei Probleme. Den Anfang machte die Lafette. Durch die sehr gute Passgenauigkeit war hier keinerlei Nacharbeit (Spachtel und/ oder Schleifarbeiten) nötig. Die Bauteile des Fundaments fixierte ich auf einer passend zurecht geschnittenen Kunststoffplatte, wobei ich den Zwischenraum mit Streichhölzern und dünnen Balsaholz ausstattete. Die Fixierung sollte dabei das weitere Handling erleichtern. Blieb noch das eigentliche Geschützrohr. Aber auch hier waren die benötigten Bauteile schnell montiert. Durch die schöne Detaillierung des Verschlussblockes entschied ich mich dazu, diesen geöffnet darzustellen.

Als schöner Zusatz liegt dem Kit auch ein kleiner Kran-/ Ladewagen bei, wie dieser damals bei dem Nachladen dieser Geschütze verwendet wurde. Auch hier gestaltete sich der Zusammenbau absolut problemlos. Lediglich die Anbringung des Kranseils in Form eines dünnen Bleidrahtes erforderte etwas erhöhte Aufmerksamkeit.

Natürlich teilte ich zwecks besseren Handlings bei den Folgearbeiten den Bausatz in mehrere Baugruppen ein. In diesem Fall lag das Optimum in vier Gruppen, die sich aus Lafette, Geschützrohr, Fundament und Ladewagen zusammen setzte.




Die Farbgebung:

den Anfang machte hier eine gute Grundierung, um den Basisfarben einen guten Haftuntergrund zu bieten. Als ersten Farbauftrag erfolgte ein „Natural Steel“ von Vallejo (70.864) im mittleren Bereich des Geschützrohres. Anschließend wurde der Bereich mit Maskierband abgeklebt. Nun konnte der eigentliche Farbauftrag folgen. Dabei griff ich auf die bewährten Acryls von AMMO/ MIG zurück, die mir bisher schon gute Dienste geleistet haben. Ich entschied mich für ein „Spanisch Green-Khaki“ (A.MIG-031), welches ich in bestimmten Bereichen mit einem „Sand Grey“ (A.MIG-0067) leicht aufhellte. Die Kleinarbeiten erfolgten mit dem Pinsel. Dabei kam hauptsächliche wieder ein „Natural Steel“ zum Einsatz, welches ich je nach Bedarf leicht aufhellte oder auch abdunkelte, um so bessere Kontraste zu erhalten.

Da beim Original im Fundamentbereich hauptsächlich Holzbalken sowie -bohlen zum Einsatz kamen, arbeitete ich hier mit verschiedenen Brauntönen.

Nachdem die eigentlichen Farbgebungen abgeschlossen waren, wurde das gesamte Modell nun mit einem Glanzklarlack (70.510 ebenfalls von Vallejo) versiegelt. Dabei sollte die nun glatte Oberfläche die folgenden Alterungsarbeiten enorm erleichtern und zudem den bisherigen Farbauftrag vor etwaigen Beschädigungen schützen.




Die Alterung:

bei Alterungsarbeiten bevorzuge ich immer Ölfarben. Gerade das langsame Abtrocknen ermöglicht immer nötige Korrekturen und Nacharbeiten, bis man mit dem jeweiligen Ergebnis zufrieden ist. Ich begann mit einem rostigen Braun, welches ich dezent an den möglichen Abnutzungsflächen und kanten aufbrachte. Mit einem gekürzten Pinsel konnten so auch die typischen Rostschlieren entstehen, indem ich das Rostbraun vertikal von oben nach unten verstrich. Natürlich war hier weniger immer mehr. Man sollte es also nicht übertreiben. Ähnlich ging ich bei den Wetterschlieren vor, nur das ich hier dieses Mal verschiedene Grün- und Grautöne verwendete. Nach einer eintägigen Trocknungszeit erfolgte nun ein punktuelles dunkelbraunes Washing. Gerade dadurch wurde die schöne Nietenstruktur weiter betont. Um ein guten Kontrast zum Washing zu erhalten stand jetzt nun ein Drybrushing mit einem warmen neutralen Grau an. Während beim Washing eher Vertiefungen betont werden, zielt man mit dem Drybrushing auf die erhabenen Stellen des Modells ab. Beides in Kombination verleihen selbst Modellen im kleinen Maßstab einen schönen Kontrast und damit eine gewisse realistische Tiefe. Um die bisherigen Farbarbeiten besser zu harmonisieren erfolgt nun noch ein Filter in einem mittleren Braun. Nach dem Abtrocknen musste nun nur noch das ganze Modell ultra-matt versiegelt werden. Dabei griff ich dieses Mal auf das „Matt Varnish“ von Vallejo zurück (26.702). Dabei gibt es immer folgendes zu beachten: während man einen Glanzklarlack immer kräftig aufträgt, bis dieser quasi kurz vor dem Zerlaufen ist, um eben eine glatte Oberfläche zu erzielen, geht man bei der Mattierung genau anders vor. So sollte man immer mit einem geringen Druck arbeiten (um die 1 bar) und das Objekt in mehreren Schichten immer nur leicht übernebeln, bis man eine Mattierung deutlich erkennen kann. Sehr oft wird hier der Fehler begannen, mit zu hohen Druck und zu viel Lack zu arbeiten. Das Ergebnis sind dann meist unschöne weiße Absetzungen, die sich nur noch schwer entfernen lassen und schnell die ganze bisherige Arbeit zunichte machen.


Nach dem Abtrocknen konnten nun Lafette und Geschützrohr fest montiert werden. Da das Holzfundament später ins Diorama eingebaut werden sollte, verzichtete ich hier noch auf eine Verbindung mit dem Geschütz.




Das Diorama:

schaut man sich hier alte Originalbilder dieser Haubitze an, so findet man diese immer in fest ausgebauten Feuerstellungen vor. Gerade durch die schon erwähnte schlechte Mobilität machte dies auch durchaus Sinn. So war mir auch schnell klar, dass mein Haubitzen-Modell seinen Platz in einer schön ausgebauten Feuerstellung finden sollte, die sich hauptsächlich aus Sandsäcken zusammen setzt.

Den Anfang machte dabei die genaue und ausführliche Planung auf einem Blatt Papier, um genaustens die späteren Proportionen des Dioramas ermitteln zu können. Nach den Planungen musste nun eine Pressspanplatte und die dazugehörigen Holzleisten passend zurecht gesägt und verklebt werden. Mit Hilfe des Plans konnten nun auch die nötigen Ausnehmungen an den Holzleisten ermittelt und übertragen werden. Die eigentlichen Holzarbeiten erfolgten dann mit Bohrer, Rundschleifer und Feile.

Nach Abschluss der Holzarbeiten wurde nun der ganze Rahmen schwarz lackiert und anschließend mit Maskierband abgeklebt, um diesen eben vor weiteren Verschmutzungen bei den Folgearbeiten zu schützen.

Aus Styrodur fertigte ich die jeweiligen Höhenebenen und ließ dabei genug Spielraum für die folgende üppige Sandsackstellung.




Nun erfolgte die eigentliche Kernarbeit, mit Erstellung der Sandsäcke. Ich habe hier schon in der Vergangenheit ausreichend Erfahrungen gesammelt. So greife ich hier immer auf Zweikomponenten-Knetmasse zurück. Gerade aber die Größe dieser Stellung stellte schon eine gewisse Geduldsaufgabe dar. So musste jeder einzelne Sack geformt und in Position gebracht werden. Dabei war zu beachten, dass jede Lage zumindest einen halben Tag zum Durchtrocknen und Aushärten benötigte, um erst wieder mit der nächsten Lage fortfahren zu können. Es muss nicht erwähnt werden, dass sich diese Arbeit über mehrere Tage hinzog, nur lohnt sich diese Mühe auch, da man nur so eine passende Stellungen nach eigenen Vorstellungen und Wünschen verwirklichen kann. So war ich auch mehr als erleichtert, als diese Hürde schlussendlich genommen war.

Als nächster Punkt stand nun der Ausbau der Stellung auf den Plan. Dafür schnitt ich aus dünnen Balsaholz Holzbohlen zu recht und verklebte diese mit Holzleim im späteren Bereich des Geschützes, wobei ich genug Freiraum für das eigentlich Holzfundament ließ.

Als auch diese Arbeit erledigt war, konnte nun auch das Geschütz-Fundament seinen Platz finden.

Jetzt erst kam die eigentliche Bodenstruktur an die Reihe. Dabei dienten mir Vogelsand und Heilerde. Gerade im Bereich der Holzplanken wurde immer wieder nachgearbeitet und mit einem Holzleim-/ Wassergemisch versiegelt um die Lücken zwischen den Holzbohlen auszufüllen.

Anschließend wurde diese Fläche noch mit feinen Schmirgel planmäßig nachgearbeitet, um eben eine realistische planmäßige Holzboden-Struktur zu erhalten.




Nun konnte endlich Farbe ins Spiel kommen. Dabei standen zuerst die Sandsäcke und Holzbohlen im Focus. Hier arbeitete ich ausschließlich mit Acryls und Pinsel und verwendete verschiedene Braun- und Erdtöne. Wichtig dabei war, dass gerade im Bereich der Holzbohlen, mit verschiedenen Holzfarbtönen gearbeitet wurde, um eine ansonsten eher monotone Farbgebung zu brechen. Mit einem sandfarbenen Drybrushing wurde dann alles ein wenig angepasst und dabei auch besser betont.

Bei der Farbgebung der Bodenstruktur arbeitete ich nur mit Pigmenten, die ich mit passenden Pigment-Fixer aufbrachte und an diversen Stellen je nach Bedarf ein wenig auf- und oder abdunkelte. Als Basis-Pigment diente mir hier das „Golan-Earth“ von MIG/ Ammo (A.MIG-3026), wobei das „Europe Earth“ (AK042) zum Aufhellen und „Farm Dark Earth“ (A.MIG-3027) zum Abdunkeln diente.

Nach einer eintägigen Trockenzeit (ohne Zuhilfenahme von Hilfsmitteln wie einen Heißluftföhn etc.) wurde nun mit einem Beflocker das Statikgras aufgebracht. Ein stark verdünntes Holzleim/-Wassergemisch diente dabei als Basis zur Fixierung des Grases. Da mir das aufgebrachte Statikgras aber noch zu künstlich wirkte, wurde hier farblich nachgearbeitet. Ein saftiges Grün, welches per Airbrush aufgebracht wurde, bildetet dabei die Basis. Mit Ölfarben und Pinsel wurden dann noch die Spitzen ein wenig nachgearbeitet. Das Ergebnis war dabei eine Gras-Darstellung, die über verschiedene Farbtöne verfügte und der ganzen Sache damit mehr Authentizität verlieh.




Es folgte das Buschwerk. Dabei griff ich auf die typischen Buschwerk-Produkte zurück, die man im Fachhandel vorfindet. Natürlich wirkte mir auch hier die Farbgebung noch zu knallig und damit unrealistisch. So wurde auch hier mit Hilfe der Airbrush, dass doch sehr kräftige Grün ein wenig abgeschwächt. Wo man in der freien Natur Buschwerk vorfindet, stößt man auch automatisch auf ein gewisses Unterholz und Laub. Gerade bei der Darstellung von Laub bin ich mittlerweile dazu übergegangen, Blätter aus der freien Natur zu trocknen und anschließend zuerst klein zu schneiden, um dann die Reststücke zu kleinsten Elementen zu zermahlen. Diese nun sehr kleinen Laubreste brachte ich dezent an diversen Stellen des Dios auf und fixierte diese mit einem Pigment-Fixer, den ich dabei vorsichtig vom Pinsel ablaufen ließ.

Jetzt fehlte nur noch der finale Schritt. So übernebelte ich das ganze Diorama per Airbrush mit einem Tamiya „Buff“. Diese „Einstaubung“ dient dabei dazu, alle farblichen Elemente ein wenig miteinander zu verschmelzen, so das nichts aufgesetzt wirkt.

Nun musste nur noch die Maskierung am Rahmen entfernt und ein passendes Sockelschild angebracht werden, womit die eigentlichen Arbeiten am Diorama abgeschlossen waren.




Die Figuren:

da ich mich bei meinen Arbeiten meist in „Themen-Nischenbereiche“ bewege, verwundert es nicht, dass gerade auch in diesen Randbereichen die Auswahl an passenden Figuren nicht gerade groß ist. So sah das bisherige Sortiment an italienischen Figuren zum Thema „Erster Weltkrieg“ mehr als überschaubar aus. Da ich in Zukunft noch das eine oder andere italienische Projekt zum gleichen Thema plane, musste das Problem selbst angegangen werden. So suchte ich mir aus vielen alten Originalbilder passende Posen heraus, die bestenfalls individuell einsetzbar sind und ließ diese Vorbilder/ Entwürfe Germania-Figuren zukommen. In enger Absprache wurden dann die passenden Figuren im 3D-Druck erstellt. Das Ergebnis konnte sich ohne weiteres sehen lassen, so dass ich hier nur den Tipp geben kann, bei ähnlichen Problemen die nun relativ neue Möglichkeit des 3D-Drucks zur Erstellung bestimmter Figuren zu nutzen. Gerade Germania-Figuren bietet hier die Möglichkeit, bestimmte Wünsche wahr werden zu lassen.

Nach Säuberung und Grundierung wurden nun noch die Figuren mit Ölfarben farblich in Form gebracht, anschließend matt versiegelt und auf dem Diorama an den vorgesehenen Stellen aufgebracht.




Fazit:

ich hatte schon seit geraumer Zeit einige Kits von GB Modelli in den Schubladen liegen und obwohl mich die ziemlich ausgefallenen Geschütze des Ersten Weltkriegs ungemein gereizt haben, blieb hier immer die Hürde der passenden Figuren, um eben auch alles einen passenden Rahmen in einem Diorama verleihen zu können. Die Hürde der fehlenden Figuren ist nun mit Hilfe von Germania-Figuren genommen.

Der Resinkit hat mich wirklich begeistert. Sehr feine Detaillierungen und Nietenstrukturen haben dabei absolut überzeugt. Der unkomplizierte Zusammenbau rundete die ganze Sache positiv ab. Leider hat bis dato ein Tag immer noch nur 24 Stunden. So kommt man einfach nicht nach, die eigenen Projekte im Kopf Wirklichkeit werden zu lassen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass in naher Zukunft ein weiteres großes italienisches Geschütz des „Großen Krieges“ aus dem Hause GB Modelli meine besondere Aufmerksamkeit bekommen wird. Jedenfalls hat GB Modelli Geschmack auf mehr gemacht.



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