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Einfach den richtigen Durchblick haben…

von Stefan Szymanski April / 2024



Hier wird ein Manko thematisiert, welches früher oder später den einen oder anderen Modellbauer ereilt und den Spaß am Hobby im wahrsten Sinne des Wortes stark trüben kann. Die berühmt, berüchtigte Weitsichtigkeit. Diese Weitsichtigkeit macht sich in der Form bemerkbar, dass man Gegenstände im Nahbereich des Auges nur noch unscharf wahrnimmt. Anders ausgedrückt, werden beim Zeitungslesen die Arme immer länger, bis diese dann einfach zu kurz erscheinen. Wer hier also (noch!) nicht betroffen ist, kann sich diesen Tipp für spätere Jahre aufbewahren und braucht hier nicht unbedingt weiterlesen.

 

Bei mir machte sich diese altersbedingte Weitsichtigkeit schleichend bemerkbar. So benötigte ich auch als Kind nie eine Brille/ Sehhilfe und verfügte über die bekannten Augen eines Adlers. Ab ungefähr dem vierzigsten Lebensjahr bemerkte ich aber, dass ich beim Modellbau immer schneller ermüdete. Spätestens nach 1-2 Stunden Bastelarbeit sah ich mich nicht mehr in der Lage, konzentriert an einem Modell weiterzuarbeiten. Im Grunde lag es daran, dass meine Augen trotz guter/ optimaler Ausleuchtung erheblicher Anstrengung ausgesetzt waren, was dann wiederum zu einer schnelleren Ermüdung führte. Zu Anfang griff ich immer öfter auf die allseits bekannten Stirnbandlupen mit unterschiedlichen Lupeneinlagen zurück, doch konnte ich mich mit diesen doch sehr unbequemen Gerätschaften nie wirklich anfreunden. Zum einen kann man hier wirklich nicht über einen bequemen Tragekomfort sprechen, zum anderen hatte zumindest ich hier immer das Problem, dass passende Tiefengefühl vom Werkzeug zum Modell zu finden.


Die typischen Stirnbandlupen mit unterschiedlich starken Lupeneinlagen, die man oft bei Modellbauern vorfindet, aber keine wirkliche Hilfe sind



Es musste also Abhilfe her und diese fand ich beim Optiker. So ließ ich bei einem Optiker meines Vertrauens meine Sehschärfe kontrollieren, wobei mir eben diese Weitsichtigkeit bestätigt wurde.

Also schnappte ich mir eine schön detaillierte Figur im kleinen Maßstab 1/72 (je nach Maßstab können es auch andere Hilfsmittel sein) und hielt mir diese Figur ca. 15-20cm vor Augen, also den von mir  meist genutzten Arbeitsbereich. Natürlich konnte ich diese Figur ohne Sehhilfe eher unscharf sehen, bzw. musste mit den Augen stark arbeiten, um gewisse Details zu erkennen. So tastete sich der Optiker mit einer brillenähnlichen Apparatur Stück für Stück in den Bereich vor, in dem ich die Figur und alle kleinen Detaillierungen scharf erkennen konnte. Damit war dann die Stärke meiner ersten „Bastelbrille“ erfolgreich ermittelt.


Wie auf dem Bild sichtbar, wird mit einer seltsam wirkenden Apparatur je nach Bedarf die nötige Sehstärke einer Brille ermittelt

 


Diese Modellbau-/ Bastelbrille zeigt je nach Sehschwäche eine enorme Stärke auf, die sich deutlich von einer herkömmlichen Lesebrille unterscheidet, zum Teil eher an ein Hilfswerkzeug für Uhrmacher erinnern kann und auf keinen Fall als Lesebrille genutzt werden sollte. Da man hier aber ein Gestell einer Lesebrille nutzt, kann man diese dafür typisch auf der Nasenspitze tragen, was das eigentliche Sichtfeld dementsprechend nicht stark einschränkt und den Focus auf den Arbeitsbereich beschränkt. Ein weiterer Vorteil dieser Brille liegt darin, dass hier bei der Ermittlung der Sehschärfe die unterschiedlichen Sehstärken beider Augen berücksichtigt werden, was sich beim Tragen/ Arbeiten am Modell deutlich positiv bemerkbar macht.

In mittlerweile zwölf Jahren habe ich mir schon eine zweite Brille mit aktuelleren Werten anfertigen lassen und möchte diese Brillen nie mehr missen. Da man hier optische Werte wie extra dünn geschliffene Gläser oder ein Designer-Brillengestell stark vernachlässigen kann, halten sich auch die Kosten in Grenzen. So kann man hier (Stand 2024) mit ungefähr 70-90 Euro rechnen. Hat man eine passende Versicherung, kann es hier sogar zu einer 100%igen Erstattung kommen. Es ist jedenfalls eine mehr als sinnvolle Investition in eins der wichtigen „Werkzeuge“, die man für das liebste Hobby braucht, nämlich ein gutes Auge und damit einen guten Durchblick. Man sollte sich hier vor Augen halten, dass mittlerweile für viele Bereiche spezielle Brillen nutzbar sind. Sei es die Brille am Arbeitsplatz oder auch die „Computer-Arbeitsplatz-Brille“. Jeder, der solch eine Brille schon in Anspruch genommen hat, wird deren Nutzen in keinster Weise in Frage stellen.


Meine zwei extra nur für den Modellbau gefertigten „Bastelbrillen“



Wir (auch Manuel hat mittlerweile den Status der schleichenden Weitsichtigkeit erreicht) können also jedem Modellbauer nur empfehlen, hier nicht am falschen Ende zu sparen und sich bei Bedarf mit solch einer speziellen Brille genauer auseinander zu setzen. Wir sind uns dabei sicher, dass jeder, der einmal in den Genuss gekommen ist, solch eine nach eigenen Bedürfnissen angefertigte „Spezial-Brille“ zu nutzen, diese nie mehr missen werden wird. Auch Skeptiker kann man in dieser Hinsicht beruhigen, da man seinen Augen nichts schlechtes gönnt, indem man für spezielle Arbeiten auch eine spezielle Brille trägt, die eben die Augen entlastet und eine passende Hilfestellung bietet.

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